„Der Wein aus dem Kelch hat sich vermischt mit dem Blut der Märtyrer und Verwundeten“
Aziz*, einem knapp 40-jährigen Partner von Open Doors in der Golfregion, fällt es sichtlich schwer, über seinen Besuch in einem Krankenhaus zu reden, in dem die Opfer des Bombenanschlags auf eine Kirche am Tag zuvor mehr schlecht als recht versorgt wurden. Auf die Frage, was er für sie getan habe, antwortet er, während sein trauriger Blick durchs Fenster in die Ferne wandert: „Ich habe ihnen die Hände gehalten.“

Symbolbild

Ein mutiges Opfer rettet Leben
Als Aziz sich am selben Tag den Schauplatz der abscheulichen Gewalttat ansieht, hat dort noch niemand aufgeräumt. So liegen auch das Brot und der Weinkelch von der brutal unterbrochenen Mahlfeier am Boden. Sofort fesselt der Anblick Aziz‘ ganze Aufmerksamkeit und ein einziger Gedanke erfüllt ihn: „Der Wein aus dem Kelch hat sich vermischt mit dem Blut der Märtyrer und Verwundeten.“

Im Vergleich zu anderen Bombenanschlägen forderte dieser Angriff wenige Todesopfer und auch die Zahl der Verletzten wäre wohl deutlich höher ausgefallen, hätten die Angreifer Notiz von der etwas abseits gelegenen Sonntagsschule genommen – und wenn nicht einer der Gläubigen mutig eingegriffen und den Attentätern die Tür versperrt hätte. Der Mann war Aziz persönlich bekannt. Die beiden hatten gemeinsam einen von Open Doors organisierten Jüngerschaftskurs besucht. Aziz weiß, dass sein Bekannter gerne noch mehr gelernt hätte, aber seinen mutigen Einsatz bezahlte er mit dem Leben.

Im Krankenhaus sitzt Aziz am Bett eines schwer verletzten Mädchens, das kraftlos seine Hand hält. Sie kann nicht lesen und schreiben, findet aber Trost in den Bibelversen, die sie von ihrer Mutter gelernt hat und ihren starken Schmerzen wie einen Schild entgegenhält, indem sie die Verse immer wieder aufsagt. Drei Tage später holt Jesus sie zu sich.

Ein Mann hat Aziz zunächst den Zugang zur Krankenstation verweigern wollen. Er hat ihn für einen der Schaulustigen gehalten, die wenige Stunden nach dem Anschlag ins Krankenhaus kamen, um sich mit den Verwundeten fotografieren zu lassen. Aziz lässt Fotoapparat und Smartphone grundsätzlich im Auto, wenn er jemanden besucht, der Schlimmes erlebt hat. Und so kann er den verletzten Mann überzeugen, dass er zu ihm gekommen ist, weil er wissen möchte, wie es ihm geht. „Wirklich? Sie sind der Erste, der mich das fragt!“, bekommt er zur Antwort. Als der Mann Aziz schließlich vertraut, platzt es geradezu aus ihm heraus: „Ich will wieder in die Kirche, ich will in unserer Kirche beten, will Gott preisen und ihm dafür danken, dass er mich bewahrt hat. Ich will ihm Loblieder singen!“

*Name aus Sicherheitsgründen geändert